Was fressen Karpfen?

Der Karpfen zählt zu den Friedfischen und bezieht einen Großteil seiner Energie aber trotzdem aus tierischer Nahrung. Von Zeit zu Zeit jagd er sogar aktiv seine Beute, wie z.B. Krebse aber auch kleinere Fische. Immer wieder hört man von Fängen auf Köderfische oder Bisse beim Spinnangeln. Ein weiterer Beweis dafür ist, dass Karpfen auf fisch- oder fleischmehlhaltige Boilies gefangen werden.

Einer der wichtigsten Nährstoffe für die Fische ist Eiweiß.

Diese bestehen aus verschiedensten Aminosäuren, die der Fisch für unzählige Stoffwechselprozesse benötigt. Einen Großteil benutzt er jedoch zur Synthese seines körpereigenen Eiweißes. Proteine besitzen verschiedene biologische Wertigkeiten. Je mehr sie dem körpereigenen Eiweiß des Fisches ähneln, desto größer ist ihre biologische Wertigkeit für den Karpfen. Proteine aus tierischen Organismen ähneln in ihrer Zusammensetzung mehr dem körpereigenen Eiweiß der Karpfen und werden daher für Masseaufbauphasen von den Fischen bevorzugt.

Diese Phasen sind vor allem im Frühjahr nach der Laichzeit und im Herbst, wenn es darum geht, sich den nötigen Winterspeck anzufressen.

Natürlich ist das nur ein Nährstoff der einen Einfluss auf das Fressverhalten der Fische auswirkt, doch lässt sich dieser für uns Angler am einfachsten an den Spots lokalisieren.

Neben den angesprochenen Krebsen, gibt es aber noch unzählige andere tierische Eiweißlieferanten in einem Gewässer und ich spreche dabei nicht von Fischen.

Die bevorzugte Nahrung von Karpfen sind Kleinstlebewesen, wie Würmer, Larven, Schnecken und eben Krebsartige.

Sie lassen sich, für die oft rundlichen Fische weitaus leichter „jagen“, als aktiv auf Raubzug nach kleineren Fisch zu gehen. Da wären z.B. Zuckmückenlarven, Bachflohkrebse oder die Larven von Köcherfliegen, Libellen und Co., Fischlaich natürlich nicht zu vergessen. Sie machen einen weitaus größeren Teil der Biomasse eines Gewässers aus, als sich viele im ersten Moment vorstellen können. Jetzt werden viele sagen: „Und was ist mit Muscheln?“. Eine berechtigte Frage. Klar, Karpfen fressen Muscheln, wie z.B. Dreikant- oder auch kleinere Teichmuscheln.

Jedoch stellen Muscheln eine Art „Notnahrung“ dar.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Energiegehalt von Muscheln bei weitem nicht so hoch ist, wie der von Insekten und ihren Larven jeglicher Art. Außerdem muss eine Muschel geknackt werden, was Energie benötigt. Insektenlarven bedürfen hingegen weniger mechanische Arbeit.

Ein sehr interessanter Artikel dazu, ist leider im Netz nicht mehr verfügbar. Letztlich ging es aber darum, dass ein Karpfenzuchtteich, in dem kaum zugefüttert wurde voll mit Muscheln war, die Karpfen diese aber nicht abgeweidet haben. Auf dieser Beobachtung basierend, setzte sich der Autor tiefgreifend mit der Thematik auseinander.

Warum Muschelbänke aber trotzdem interessant für uns Angler sind, dazu später mehr.

Zuckmückenlarven, Sumpfdeckelschnecken, Bachflohkrebse, Tubifix

Wo fressen Karpfen?

Ein weiterer Vorteil dieser Organismen ist es, dass sie häufig in einer großen Anzahl in einem Arial zu finden sind. Zuckmückenlarven bilden häufig eine Art Kolonie und kommen somit zu tausenden an einem Spot im Gewässer vor. Diese Hotspots gilt es zu finden. Im Folgenden möchte ich euch klassische und völlig unterschätzte Spots vorstellen, an denen es sich immer lohnen kann eine Rute zu platzieren.

Weicher Boden, statt harter Kies

Die meisten Kleinstlebewesen bevorzugen weiche, nährstoffreiche Böden, in denen sie Schutz und biologisches Material finden, welches sie für ihre Lebensprozesse benötigen. Tubifexe z.B. stecken zur Hälfte in der oberen Sedimentschicht und filtrieren mit der anderen Körperseite die darüber liegende Wasserschicht. Bei Gefahr ziehen sie sich dann vollständig in den Boden zurück. Auf hartem Kies wäre diese Lebensweise gar nicht möglich.

Dieses Verhalten ihrer potentiellen Beute ist es auch, welches Karpfen zum regelrechten Durchwühlen des Bodens animiert. Weicher Boden, sogenannter „produktiver Schlamm“, ist ein wahrer Hotspot für Karpfen. Und warum suchen wir Angler dann immer harte Stellen im Gewässer? Ich glaube das Stichwort ist Köderpräsentation. Auf festen Bodengrund, lässt sich unser Futter nun einmal am besten den Fischen darbieten. Doch lasse die weichen Bereiche des Gewässers nicht völlig außer Acht. Es lohnt sich immer eine Rute in diesen Bereichen zu platzieren.

Aber Achtung, nicht jeder Boden ist dafür geeignet.

Später stelle ich dir die passenden Hilfsmittel vor, mit denen du solche Hotspots sicher lokalisieren kannst ohne Gefahr zu laufen deinen Köder in fauligen Schlamm zu legen.

Hotspot: Flachwasser

Besonders im Frühjahr, wenn sich das Wasser beginnt zu erwärmen, findet man die Fische im flachen Wasser. Denn hier startet das erste Leben im Gewässer. Von den ersten Sonnenstrahlen erwärmt, finden sie hier schon zeitiger Nahrung.

Aber auch im Sommer sind flache Bereiche hoch interessant. Wasserpflanzen kommen in flachen Uferregionen weitaus häufiger vor als im Freiwasser und genau diese Flora benötigen auch die Insekten und ihre Larven zum Schutz, zur Nahrungsaufnahme und zur Fortpflanzung. Wo Licht und Sauerstoff ist findet sich Leben. Aus diesem Grund ist das Flachwasser eigentlich ganzjährig interessant.

Hinzu kommt, dass der Karpfen ein sehr wärmeliebender Fisch ist und das Flachwasser häufig ein paar Grad mehr besitzt als die tiefere Freiwasserzone. Auch im zeitigen Frühjahr kann der Fisch mit seinem dunklen Rücken die Kraft der ersten Sonnenstrahlen absorbieren und wird mobiler.

Überhängende Bäume und Sträucher

Überhängende Bäume zählen zu wichtigen Spots

Besonders interessant sind diese Plätze, wenn die Bäume Früchte tragen, die ins Wasser fallen. Eichen oder Buchen sind da ein gutes Beispiel. Ich kann mich erinnern, dass mir bei einer Herbstsession die Eicheln regelmäßig aufs Zelt gefallen sind, unter den überhängenden Bäumen ließ sich jedoch im Wasser nicht eine einzige Frucht finden. Einzig große Kuhlen konnte ich mit der Kamera erspähen. Ein eindeutiges Zeichen.

Außerdem suchen Fische häufig Schutz von oben, um vor Fressfeinden die aus der Luft angreifen könnten in Sicherheit zu sein. In der kälteren Jahreszeit sind Areale die von überhängenden Bäumen geschützt sind, auch häufig etwas wärmer oder kühlen zumindest nicht so rasch aus.

Seerosen- und Krautfelder

Hier hat es im Seerosenfeld geklappt

Diese Bereiche des Sees vereinen die Aspekte, die ich bereits im Absatz über das Flachwasser angesprochen habe, mit denen der Areale unter überhängenden Bäumen. Sie bieten den Fischen Schutz und ihrer Nahrung optimale Lebensbedingungen. Solch ein Unterwasserurwald bietet eine Hülle an lebendem und totem biologischem Material. Die Nahrungskette eines Gewässers lässt sich auf solch ein Mikroökosystem übertragen. Vom Destruenten (Zersetzendes Bakterium) bis zum Konsumenten zweiter oder dritter Ordnung (Raubfisch), lassen sich alle Organismen hier finden.

Muschelbänke

Muschelbank in der Tiefe eines Sees

Jeder sucht sie und wohl jeder hat auch schon darauf geangelt. Aber warum sind diese Stellen so interessant, wenn die Muschel doch nur eine „Notnahrung“ für den Karpfen ist? Ganz einfach! Auf Muschelbänken leben nicht nur Muscheln, sondern auch zahlreiche andere Kleinstlebewesen. Bei einer Bootsession habe ich auf solch einem Plateau geankert. Es war über und über mit Muscheln beseht. Eine Dreikantmuschel neben der anderen, soweit das Auge reichte. Doch ich konnte keine Fressspuren auf dem Muschelteppich ausmachen.

Als ich die Anker lichtete, wusste ich warum. Ich zog sie ins Beiboot und am Anker hingen etliche dieser filtrierenden Seebewohner. Als ich den Anker ablegte, um ihn von den Schalentieren zu befreien, wusste ich was los war. Im ganzen Boot krabbelte es. Zusammen mit den Muscheln hatte ich hunderte Bachflohkrebse und zahlreiches anderes Getier ins Boot geholt. Diese leben in den Zwischenräumen der Muscheln, was beim genaueren Nachdenken auch Sinn macht. Denn die Muscheln sind andauernd am Filtrieren und sorgen so für eine Zirkulation der Wasserschichten. Durch diese Zirkulation wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und alles, was die Muscheln nicht verwerten, bleibt den anderen Lebewesen als Nahrung. Ein wahres Schlaraffenland für jeden Bachflohkrebs und darum auch für die Karpfen.

Sie müssen sich gar nicht die Mühe machen und die Muscheln aus dem Boden zu wühlen, vielmehr reicht es wahrscheinlich aus, wenn sie wie ein Staubsauger darüber schwimmen und die Insekten aus den Holräumen saugen.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies der Grund dafür ist, warum Muschelbänke so produktiv für uns Angler sind.

Fressen die Karpfen Muscheln, tun sie dies aus meiner Erfahrung an den Rändern dieser Bänke, denn hier laufen die Muscheln kolonieartig aus und die Karpfen haben leichtes Spiel die kleinen Muschelballen aufzunehmen. Bei einem geschlossenen Teppich bieten sich wenige Angriffspunkte.

Wie finden sich diese Spots nun?

Polbrille

Dank der Polbrille erkennt man Strukturen im Wasser besser

Für interessante Bereiche im Flachwasser reicht häufig eine gute Polbrille aus. Sie nimmt die Spiegelung der Oberfläche und ermöglicht es uns somit, im besten Fall bis zum Boden zu schauen.

Echolot

mit Hilfe des Echolots tiefe Strukturen finden

Um größere Tiefen und Bereiche nach markanten Stellen effektiv absuchen zu können, empfiehlt sich immer die Verwendung eines Echolots. Neuere Geräte verfügen über Sidescan mit dem man große Areale auf beiden Seiten vom Boot absuchen kann. Krautfelder oder weiche Stellen lassen sich so schneller aufspüren. Aber auch einfachere Geräte reichen aus, um sich einen Überblick der Unterwasserwelt zu verschaffen. Kanten und exakte Tiefen zu kennen, ist eine wichtige Grundvoraussetzung gerade wenn man nicht im Flachwasser angelt.

Um die gefundenen Stellen genauer untersuchen zu können, sollte man sie sich mit GPS abspeichern oder mit einer Boje markieren. Die folgenden Hilfsmittel ermöglichen dann eine genauere Untersuchung des möglichen Spots.

Aquascope

Spotkontrolle durch das Aquascope

Für flache bis mitteltiefe Bereiche oder genauere Einblicke in die Unterwasserwelt kann ich ein sogenanntes Aquascope empfehlen. Bei vielen Anglern gehört es heute schon zur Standardausrüstung. Es handelt sich dabei um eine Art Trichter, der sich nach oben verjüngt und am unteren Ende mit einer Plexiglasscheibe versehen ist. Man drückt das Gerät mit Hilfe der Griffe etwas unter Wasser und schaut durch die obere Öffnung. Da kein Streulicht einfallen kann und sich die Plexiglasscheibe unter Wasser befindet, erhält man einen genauen Einblick in die Unterwasserwelt. Lässt man sich mit dem Schlauchboot über interessante Areale treiben, kann man so einen großen Bereich absuchen. Aber auch zur Kontrolle der Rigposition oder des Futterplatzes eignet sich dieses Gerät.

Unterwasserkamera

Das Non-Plus-Ultra für die Spotsuche

Das Aquascope des 21 Jahrhunderts ist die Unterwasserkamera. Die Geräte sind heute für fast jeden erschwinglich und besitzen ein weitaus kleineres Packmaß als ein sperriges Aquascope. Der große Vorteil daran ist, dass man nicht ständig über dem Boot hängen muss und vor allem, dass man die Kamera bis kurz über den Grund ablassen kann. In Verbindung mit integrierten LED´s kann man so auch in fast jeder Wassertiefe damit arbeiten. Selbst in trüben Gewässern lässt sich eigentlich immer irgendetwas erkennen. Ich möchte meine Unterwasserkamera nicht mehr missen und habe sie bei jedem Trip dabei.

Groundtester

Bodenprobe entnommen mit dem Groundtester

Optische Kontrollen sind schon ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Doch eins kann eine visuelle Suche nicht liefern. Proben des Gewässergrundes erhalten wir nur mit einem Groundtester. Von oben kann ein Bereich noch so interessant aussehen, doch, ob es sich um „produktiven Schlamm“ oder „Faulschlamm“ handelt, lässt sich meist nicht mit bloßem Auge feststellen. Einzig eine Bodenprobe schafft Klarheit.

Die Firma Poseidon Angelsport hat gleich zwei Varianten dieser Geräte im Sortiment und ist damit immer noch der einzige Anbieter auf dem Markt, der es dem Angler ermöglicht seinen Spot einfach und kinderleicht zu beproben.

Die größere Bootsvariante bietet neben der Klopfbleifunktion einen Schacht, mit dessen Hilfe man eine Bodenprobe ans Tageslicht befördern kann. Die Handhabung ist kinderleicht. Man wickelt ein paar Meter Schnur vom Handgriff ab und lässt den Groundtester in die Tiefe rauschen. Durch den Wasserwiderstand öffnet sich die Kammer und das Gerät kann in den weichen Boden eindringen. Anschließend zieht man ihn einfach wieder nach oben, wobei die Kammer wieder verschlossen wird. Im Boot öffnet man sie ganz einfach, indem man den beweglichen Ring nach oben schiebt und schon kann man die Bodenprobe begutachten. Körnung, Struktur, Geruch und Zusammensetzung sind die interessanten Parameter. Im besten Fall findet man sogar Zuckmücken oder Tubifex. Dann ist alles klar. Ein natürlicher Futterplatz ist gefunden und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sich hier kein Rüssler fangen lässt.

Für Angler die kein Boot nutzen, gibt es sogar eine Version zum Werfen. Einfach an die Rute montiert und an den potentiellen Spot geworfen. Durch den Luft- sowie Wasserwiderstand öffnet sich der Deckel im Flug sowie in der Absinkphase. Auf dem Boden angekommen, kurbelt man den „Casting Groundtester“ einfach langsam wieder ein. Der Deckel schließt sich und hält eine Probe in der zylindrischen Kammer fest. In unserer Hand angekommen, schiebt man die Kammer einfach von den Dichtungsringen nach oben und begutachtet die Probe.

Für mich eines der innovativsten Gadgets der letzten Jahre im Karpfenangelbereich. Wer fleißig ist und viele Proben entnimmt, findet mit Sicherheit Hotspots in seinen Gewässern, von denen andere Angler noch nie etwas gewusst haben.

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Fazit

Hotspots gibt es in jedem Gewässer, doch variieren sie zu den verschiedenen Jahreszeiten und natürlich kann man auch an anderen Stellen Karpfen überlisten.

Zugruten sind ebenfalls immer ein guter Garant für einen Fisch, doch diese lassen sich leichter finden, wenn man die natürlichen Futterplätze kennt.

  • 1. Grundsätzlich muss ich zunächst wissen welche Nahrung im jeweiligen Gewässer vorkommt und wo ich sie finden kann.
  • 2. Flachwasserbereiche mit Pflanzenbewuchs bieten der Karpfennahrung beste Lebensbedingungen.
  • 3. Überhängende Bäume bieten Deckung sowie Schutz und können besonders im Herbst auch Nahrung liefern.
  • 4. Muschelbänke beherbergen unzählige Wasserinsekten und sind daher für Karpfen interessant. Muscheln an sich fressen Karpfen am liebsten an den Rändern der Bänke.

Den richtigen Spot zu finden ist sicherlich nicht immer einfach. Doch mit etwas Hintergrundwissen und der richtigen Ausrüstung auch kein Hexenwerk.

  • 1. Polbrille und Aquascope helfen bei der optischen Suche nach Karpfen und deren Fraßspuren.
  • 2. Mit einer Unterwasserkamera kann man auch in größeren Tiefen problemlos suchen. Für mich bei jedem Trip ein unerlässliches Hilfsmittel, denn so kann ich auch den Futterplatz kontrollieren und meine Futterstrategie anpassen.
  • 3. Echolote und GPS Geräte helfen sich einen Überblick über das Gewässer zu verschaffen und potenzielle Hotspots zuverlässig zu speichern.
  • 4. Mit Hilfe des Groundtesters kann man Bodenproben entnehmen und natürliche Futterplätze finden. Meiner Meinung nach ein Gadget was unsere Angelei immens bereichert.

Karsten Neumann

Taste of Nature, Green-Guiding

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