Die richtige Rute zum Karpfenangeln

Die richtige Rute zu finden ist bei der heutigen Auswahl am Markt nicht immer leicht. Gerade Einsteiger wissen häufig nicht worauf es ankommt und schnell tätigt man einen Fehlkauf.

In diesem Bericht möchte ich dir meine Erfahrungen schildern und dir bei deiner Kaufentscheidung helfen.

Die Länge

Angabe der Länge in Feet und Testkurve in lb(s)

Als Standardrutenlänge im Karpfenangelbereich galten lange Ruten mit 12ft. Sie gelten als Allrounder, die man sowohl zum Werfen als auch zum Auslegen der Montagen nutzen kann und dies ist grundlegend auch richtig.

Neben diesen Längen gibt es aber auch 13ft Modelle und solche mit einem Ausmaß von nur 10ft. Gerade 10ft Ruten wurden lange als Bootsruten bezeichnet und eben auch nur von Anglern genutzt, die vom Boot aus auf Karpfen angeln. Auch ich legte mir diese Ruten erst zu, als ich begann den Karpfen vom Boot aus nachzustellen.

In den letzten Jahren kann man aber immer mehr einen Wandel erleben und der Trend geht eindeutig zur kürzeren Rute. Kürzeres Packmaß, Vorteile beim Keschern von Fischen und das geringere Gewicht, lassen immer mehr Karpfenangler zu diesen Modellen wechseln.

Nachdem ich mir die kürzeren Ruten zugelegt hatte, bemerkte ich erst, wie schwer meine alte 12ft Variante war. Selbst mit großen Rollen sind 12ft Ruten oft kopflastig und im Handgelenk muss viel Kraft aufgewendet werden, wenn man die Montage weit draußen ablegt.

Da ich in meiner Angelei kaum werfe, benötige ich auch keine langen Ruten. Denn darin liegt für mich der einzige Vorteil von 12 oder gar 13ft Ruten.

Muss man seine Montagen weit hinaus werfen, laden sich kurze Ruten nicht so stark auf und man erreicht dementsprechend auch nicht die maximal mögliche Distanz. Aber selbst mit 10ft Ruten sind Weiten von 50-80m machbar. In den seltenen Fällen, in denen ich dann doch mal werfen muss, reicht diese Distanz für mich völlig aus.

Kurze Ruten sind einfach handlicher, leichter und ermöglichen es mir den Fisch einfacher zu keschern, da ich ihn dichter herandrillen kann.

Die Testkurve

Neben der Länge spielt die Testkurve wohl das entschiedenste Kriterium beim Rutenkauf.

Die Angaben lassen sich meist über dem Handteil der Rute finden und sind in der englischen Einheit lbs angegeben.

Auch hier gibt es ähnlich, wie bei der Länge einen Standardwert, der 2,5-2,75lbs umfasst. Es handelt sich dabei um relativ weiche Ruten, die für die meisten Situationen des Angelns ausreichend sind. Gerade für Anfänger sind diese Werte auch empfehlenswert. Eine weichere Rute verzeiht auch mal einen Fehler im Drill und puffert unerwartete Fluchten zuverlässig ab.

Fischt man in freien Gewässern ohne viele Hindernisse und erwartet den Fang von kleinen bis mittelgroßen Karpfen zwischen 10-30pfd, sind diese Ruten wohl die richtige Wahl. Auch sind sie zu empfehlen, wenn man auf nicht allzu großen Entfernungen fischt und die Montagen dementsprechend nicht über den ganzen See einkurbeln muss. Angelt man in Entfernungen von bis zu 300m, macht man mit einer solchen Rute keinen Fehlkauf.

Ich für meine Verhältnisse, benötige jedoch Ruten von über 3lbs. Je nach Ausführung kann der Wert auch bis zu 3,5lbs reichen. Bei jedem Modell und bei jedem Hersteller kann die Aktion der Rute trotz gleicher Testkurve abweichen. Kauft man sich eine neue Hose, können die Größen ja auch unterschiedlich ausfallen. Ähnlich ist es eben auch bei Ruten.

Warum fische ich aber nun so harte Besenstiele? Zum einen lege ich meine Montagen oft auf große Entfernungen über 300m ab und habe so einfach einen guten Puffer, um die Kraft besser auf die Montage zu übertragen. Sei es im Drill oder beim Einholen dieser. Ich kurbel sie dann einfacher ein ohne einen Tennisarm zu bekommen. Zum anderen stelle ich Großkarpfen nach und benötige im Ernstfall dann auch genügend Reserven, um auch wirklich große Fische sicher in den Kescher zu führen.

Ein weiterer Grund für straffe Ruten ist für mich die Hindernissangelei. Ob vor umgestürzten Bäumen oder in stark verkrauteten Gewässern, will der Karpfen in die Deckung ziehen, muss man gegenhalten. Eine Rute mit einer 2,5lbs Testkurve bietet da einfach nicht die nötigen Reserven und der Fisch macht, was er will.

Das Handteil

Wie vieles im Leben ist das Handteil einer Rute Geschmackssache. Die klassische Karpfenrute besitzt einen geteilten Griff, der die Handposition beim Werfen optimiert. So kann man die Rute richtig aufladen und die Montage weit hinaus schleudern. Ebenso gibt es aber auch einteilige Handgriffe. Man sollte jedoch darauf achten, dass das Handteil der Rute am unteren Ende etwas auseinander geht oder durch eine entsprechende Endkappe dicker als der Griff selbst ist. Dadurch kann man nämlich verhindern, dass die Rute beim Biss vom Fisch aus dem Budgrip gezogen wird, sollte die Bremse mal mehr geschlossen sein als üblich.

Das Material des Griffs ist ebenso Geschmackssache. Von Kork, über Duplon bis hin zum Schrinkingtube ist alles möglich. Kork ist oldschool und gefällt mir persönlich sehr gut. Er wird über die Zeit aber auch schnell dreckig und es gibt große Unterschiede in der Qualität. Kork ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, doch leider sind in den letzten Jahren die Bestände der Korkeichen stark zurückgegangen. Wer also die Natur schützen möchte, sollte eines der anderen Materialen wählen.

Futuristisches Design mit Carbonrollenhalter oder oldschool mit tulpenförmigem Handteil, ihr habt die Qual der Wahl.

Die Aktion der Rute

Semiparabolische Rutenaktion im Drill

Unter der Aktion versteht man die Parabolic der Rute, sprich wie und ab wo biegt sich die Angel unter Last. Grundsätzlich unterscheidet man auch hier in verschieden Ausführungen, wie z.B. semi und voll parabolisch. Entscheidend dafür sind natürlich das verarbeitete Material und die Dicke der Matten. Aber auch die Anzahl der Ringe und die Länge der Wicklungen beeinflussen die Aktion maßgeblich. 

Vollparabolisch bedeutet, dass die Rute sich unter Last aus dem Handteil heraus biegt und der gesamte Blank arbeitet. Solche Ruten machen im Drill ungeheuren Spaß, lassen es aber schwer zu, den Fisch zu führen, um ihn z.B. von Hindernissen fern zu halten.

Semiparabolische Ruten hingegen haben eine flexible Spitze und ein straffes Rückgrat. Sie biegen sich erst aus dem Mittelteil heraus, was wiederum dazu führt, dass kleinere Fische sich häufig schnell müde schwimmen und der Drill nur von kurzer Dauer ist. Im Ernstfall bieten sie aber das nötige Rückgrat für einen großen Fisch oder für die Führung des Fisches, um ihn von Hindernissen fern zu halten.

Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, bevorzuge ich Ruten mit kräftigem Rückgrat und einer Semiparabolic.

Abschließend gibt es noch Ruten die eine reine Spitzenaktion besitzen. Meiner Meinung nach ist dies zum Karpfenangeln aber eher weniger geeignet.

Schnelle Ruten statt Schwabbelstock

Das Phänomen kennt ihr sicher alle. Ihr steht im Angelladen, nehmt eine Rute in die Hand und vollzieht eine peitschende Bewegung mit dem Blank. Doch was verrät euch das eigentlich über die Rute?

Wenn man genau hinschaut, sieht und spürt man wie sich der Blank aus dem Handteil auflädt und Stück für Stück die gesamte Rute in Schwingung versetzt. Viel wichtiger ist aber, wie schnell die Rute wieder in Ruhelage kommt. Gute Ruten mit hochverdichteter Kohlephaser finden schnell wieder in die Ausgangsposition zurück und schwabbeln nicht lange unkontrolliert nach. Und genau das ist es, was man durch diesen Test herausfinden kann.

Ruten mit einer geringeren Testkurve und Vollparabolic schwingen dabei natürlich wesentlich länger und intensiver, als semiparabolische mit hoher Testkurve.

Das Problem an diesen Schwabbelstöckern ist häufig, dass sie im Drill zur Seite wegkippen können, da ihnen die Stabilität fehlt.

Ich konnte mir das lange auch nicht vorstellen, doch im Drill meines ersten 40igers habe ich es am eigenen Leib erfahren. Noch nie hatten meine Ruten zuvor dieses Verhalten gezeigt. Erst mit der Belastung eines großen Fisches zeigte sich, dass sie dafür nicht ausgelegt waren. Der Fisch stand unter dem Boot in 6m Tiefe und legte eine Flucht nach der anderen hin oder stand einfach nur. Die Rute mit 2,5lbs und einer nahezu Vollparabolic bog sich im Halbkreis und begann zu flattern. Der Mittelteil versetzte sich in Schwingung und kippte dann regelrecht zur Seite weg. Super nervig und auch gefährlich, weil ich dadurch immer wieder kurz den Kontakt zum Fisch verlor. Ich will mir gar nicht vorstellen, wenn ich ihn dadurch verloren hätte.

Doch es ging alles gut und nach fast 45 Minuten war er dann endlich sicher im Netz.

Nie wieder habe ich danach einen Fisch 45 Minuten gedrillt und ich habe noch weitaus größere Fische danach gefangen. Der Fisch schwamm sich einfach nicht müde an der weichen Rute. Heute sieht das anders aus, was auch für den Fisch besser ist, da er so, gerade im Sommer, nicht gefahrläuft durch einen langen Drill zu übersäuern.

Schlägt man die Rute, sollte sie also schnell wieder in Ruhelage zurückkehren.

Der Preis

diverse Karpfenruten im Angelladen

Letztlich häufig das kaufentscheidende Kriterium gerade für Einsteiger. Doch ich kann euch beruhigen und vielleicht überrascht es euch auch, eine gute Rute muss nicht teuer sein. Meiner Meinung nach gibt es wesentlich wichtigere Komponenten im Setup für die man Geld in die Hand nehmen sollte. Gute Ruten, die was taugen gibt es schon für unter 100 Euro.

Die Blanks sind dann jedoch etwas dicker und die verbauten Komponenten, wie Endkappen und Griffmaterial nicht so hochwertig. Auch im Design muss man Abstriche in Kauf nehmen. Doch worauf es wirklich ankommt, wisst ihr ja nun. Die Verarbeitung sollte jedoch immer sorgfältig geprüft werden. Auch für kleines Geld kann man gute Produkte erwarten.

Zur Standardbestückung sollten jedoch immer Fuji-Sic Ringe und ein entsprechender Rollenhalter gehören. Diese Bezeichnung steht seit Jahren für Qualität, Zuverlässigkeit und wird auch in günstigen Rangen heute standardmäßig verbaut.

Höhere Preise bedeuten aber nicht, dass die Firmen sich die Taschen vollmachen. Für mehr Geld erhält man höher verdichtete Kohlefaser, die die Rute strapazierfähiger, schlanker und leichter macht. Dazu bedarf es aufwändiger Verfahren, die nun mal leider ihren Preis haben.

Für ambitionierte Angler, die regelmäßig angeln fahren, lohnt es sich sicher etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Man spürt den Fisch einfach besser und hat mehr Spaß sowie Sicherheit im Drill.

Im Anschluss habe ich euch einige Ruten verlinkt, die ich euch empfehlen kann. Quer Beet findet ihr hier sicher das richtige für eure Ansprüche und euren Geldbeutel.

Günstige Ruten

  • Fox Warrior
  • neuere Serie Horizon X3
  • Shimano Tribal Serie – starkes Rückgrat
  • Nash dwarf Serie
  • Starbaits black ops

Teurere Ruten

  • Fox Horizon X oder neuer X5
  • Sportex Morrion
  • Nash scope

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Fazit

Wer vom oder mit dem Boot angelt und nicht extrem weit werfen muss, der sollte auf 10ft Ruten zurückgreifen. Der Rest ist Geschmackssache.

Semiparabolische Ruten mit hoher Testkurve (ab 3lbs) für große Fische, Hindernis- oder Distanzangelei und vollparabolische Ruten mit geringer Testkurve (2,5 - 2,75lbs) für Einsteiger und durchschnittliche Anforderungen.

Ich hoffe ich konnte euch einige nützliche Tipps geben und euch bei einer eventuellen Neuanschaffung unterstützen. Sollten noch Fragen offen geblieben sein, könnt ihr gerne den Kontakt, z.B. über meine Socials, suchen.

Karsten Neumann

Taste of Nature, Green-Guiding

Über mich und alle meine Beiträge

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