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Angeln ohne Angelschein

Wer sich für das Angeln interessiert, hat wahrscheinlich auch schon vom Angelschein gehört. Dieses amtliche Dokument ist üblicherweise der Nachweis dafür, dass man sich Sachkenntnisse zum Angeln angeeignet und diese bei einer Prüfung bewiesen hat. Fischereirecht ist in Deutschland Landesrecht und dementsprechend bestehen in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen zum Erlangen eines Angelscheins, der oft auch Fischereischein genannt wird. Der zeitliche Aufwand für die Prüfungsvorbereitung schreckt aber viele Menschen ab, die einfach mal in das Hobby Angeln hineinschnuppern möchten.

Was viele nicht wissen: In der Hälfte der 16 deutschen Bundesländer bestehen Möglichkeiten, ohne Angelschein angeln zu gehen.

Teils hat dies historische Gründe, teils sind es Neuregelungen, die dem Tourismus helfen sollen. Im Normalfall ist beim Angeln neben dem Angelschein ein Erlaubnisschein notwendig, der als Fischereierlaubnis für konkrete Gewässer gilt. Meistens muss dieser Erlaubnisschein auch dann zu erworben werden, wenn ohne Angelschein geangelt wird.

Hier eine Übersicht zu den Optionen, die in Deutschland existieren, ohne den gebräuchlichen Angelschein zu angeln, alphabetisch nach Bundesländern geordnet:

Stand September 2018

Angeln ohne Angelschein in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg unterliegen bestimmte private Kleingewässer und zur Teichwirtschaft genutzte Gewässer nur teilweise dem Fischereirecht. Daraus ergibt sich, dass deren Besitzer Fischereierlaubnisse an Besucher ausgeben können, die keinen Angelschein haben. Der typische Anwendungsfall für diese Möglichkeit sind Forellen und Angelteiche. Bei Kosten von zehn Euro aufwärts für eine Tageskarte ist so das Angeln ohne Angelschein Baden-Württemberg sehr einfach zu realisieren. Solche für Hobby-Angler konzipierte Anlagen punkten meist mit zusätzlichen Service-Leistungen wie dem Verleih von Angelausrüstung und dem Angebot, gefangenen Fisch gleich vor Ort zu räuchern oder anderweitig zum Verzehr vorzubereiten. Da die Bewirtschafter gezielt Fische aussetzen, um die Population stabil zu halten, sind zudem die Chancen auf Bisserfolge recht hoch. Kinder und Jugendliche dürfen den Erwachsenen an solchen Angelteichen üblicherweise helfen und erlauben so einen entspannten Familientag.

Listen von Angelteichen in Baden-Württemberg finden sich Internet beispielsweise hier (http://www.simfisch.de/forellenseen-in-baden-wuerttemberg/) und hier (http://www.hobby-angeln.com/adressen_forellenteiche7.php).

Zusammengefasst

  • Angeln an bestimmten, privaten Kleingewässern oder Angelteichen möglich
  • Tageskartenpreise ab 10€
  • Teiche bieten meist Verleih von Angelgeräten u. andere Leistungen an

Angeln ohne Angelschein in Brandenburg

In Brandenburg ist seit Sommer 2006 das Angeln von Friedfischen auch ohne Angelschein und Fischereiprüfung erlaubt. Benötigt wird aber eine Fischereiabgabemarke sowie ein Erlaubnisschein. Mitgeführt werden muss beim Friedfischangeln in Brandenburg zudem der Personalausweis oder anderes Ausweisdokument. Die Fischereiabgabemarke kostet derzeit für Erwachsene jährlich zwölf Euro und für Kinder im Alter von acht bis 18 Jahren jährlich 2,50 Euro. Sie wird beispielsweise von Angelvereinen und den unteren Fischereibehörden ausgegeben. Die Angelerlaubnis wird meist vor Ort von den jeweiligen Besitzern oder Pächtern von Gewässern bezogen. Wer in Brandenburg ohne Angelschein angeln geht, verpflichtet sich, Grundkenntnisse durch das Lesen der Broschüre "Friedfischangeln ohne Fischereischein" zu erlangen. Dieses Informationsheft steht auch im Internet zur Verfügung und enthält insbesondere Angaben zu Schonzeiten und Mindestmaßen.

Nicht erlaubt sind beim Angeln ohne Angelschein in Brandenburg die Verwendung von Köderfischen oder deren Nachbildungen, mehrere Haken oder Mehrfachhaken und das Köderfischsenken. Erlaubt sind bis zu zwei Handangeln. Etwaige Sonderregeln für das jeweilige Angelrevier sind der Angelerlaubnis zu entnehmen.

Eine Besonderheit gilt für ausländische Besucher in Brandenburg
Diesen ist im Gegensatz zu Deutschen als Touristen auch erlaubt, Raubfische zu angeln. Sie müssen dafür neben der Angelerlaubnis, der Fischereiabgabemarke ihren Reisepass dabei haben. Weiter Informationen für ausländische Angler in Brandenburg hat das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft im Internet hier zusammengefasst.

Zusammengefasst

  • nur Friedfische (für Deutsche Bürger)
  • ab 8 Jahre
  • Kosten für Fischereiabgabemarke:
    • Jugendliche: 2,50 €
    • Erwachsene: 12,00 €
  • Erlaubnisschein für Gewässer notwendig

Angeln ohne Angelschein in Bremen

Der Stadtstaat Bremen kennt seit dem 16. Jahrhundert für seine Bürger das sogenannte Stockangelrecht. Um dieses auszuüben, muss ein Stockangelschein beantragt werden, mit dem keine Fischereiprüfung verbunden ist. Voraussetzung für den Stockangelschein ist ein Hauptwohnsitz in Bremen sowie die Volljährigkeit. Ausgegeben wird der Stockangelschein von den Bürgerservice-Zentren der Hansestadt Bremen. Mitgebracht für den Antrag werden muss der Personalausweis oder Reisepass sowie ein Passfoto. Derzeit betragen die Kosten für den Stockangelschein 32 Euro bei der Erstausstellung beziehungsweise 20 Euro bei der Ausstellung eines Ersatzdokuments. Der Stockangelschein in Bremen ins lebenslang gültig und berechtigt zum Angeln mit bis zu zwei Stockangeln in folgenden Gewässern: In der Weser und kleinen Weser, in der Lesum flussaufwärts bis zur Burger Straßenbrücke und im tideabhängigem Teil der Geeste. Beim Angeln mit dem Stockangelschein sind weder gesonderte Angelerlaubnis noch Fischereiabgabemarke notwendig. Alle Informationen zum Stockangelrecht hat die Stadt Bremen auch auf dieser offiziellen Webseite gesammelt.

Zusammengefasst

  • nur für Personen mit Hauptwohnsitz in Bremen und im Alter von 18
  • lebenslang gültig
  • angeln ist hier erlaubt:
    • Weser,
    • kleinen Weser,
    • Lesum flussaufwärts bis zur Burger Straßenbrücke
    • im tidenabhängigem Teil der Geeste
  • Kosten: 32€

Angeln ohne Angelschein in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg können Einheimische und Besucher mit einem Touristenfischereischein auch ohne klassischen Angelschein angeln. Der Touristenfischereischein in Mecklenburg-Vorpommern kostet 24 Euro und ist 28 aufeinanderfolgende Tage gültig. Zusätzlich wird eine Angelerlaubnis benötigt. Alle Informationen zum Angeln mit dem Touristenfischereischein in Mecklenburg-Vorpommern sind in unserer Angel-Wiki zu finden.

Zusammengefasst

  • Kosten: 24€
  • gilt 28 Tage, kann beliebig oft für 13€ für weitere 28 Tage verlängert werden
  • Angelkarten für über 700 Gewässer erwerbbar
  • ab 14 Jahre

Angeln ohne Angelschein in Niedersachsen

In Niedersachsen gestatten die Landesgesetze Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen grundsätzlich das Angeln ohne Angelschein in Küstengewässern und freien Gewässern. Hier müssen Angler nur ihren Personalausweis mit sich führen. Die Definitionen des niedersächsische Fischereigesetzes für Küstengewässer und freie Gewässer finden sich hier und hier. In diesen Bereichen sind weder Angelschein, Erlaubniskarte und Fischereiabgabemarke notwendig. Angaben zu Schonzeiten und Mindestfangmaßen in den niedersächsischen Küstengewässern hat das Fischereiamt-Niedersachsen online gesammelt.

In anderen Gewässern des Bundeslands Niedersachsen entscheiden die jeweiligen Gewässerbewirtschafter, ob sie einen Erlaubnisschein auch ohne Angelschein ausgeben. Dies ist allerdings nach derzeitigen Informationen nur vereinzelt der Fall, etwa bei künstlich angelegten Forellenteichen. Angelscheine aus anderen Bundesländern werden selbstverständlich anerkannt.

Zusammengefasst

  • Küstengewässer und freie Gewässer: Hier sind in Niedersachsen weder Angelschein, Erlaubniskarte und Fischereiabgabemarke notwendig

Angeln ohne Angelschein in Sachsen

In Sachsen wurde das Fischereigesetz im Sommer 2012 derart geändert, dass es nun das Angeln ohne Angelschein in bewirtschafteten Anlagen erlaubt. Darunter sind normalerweise private Angelteiche zu verstehen. Deren Betreiber können Angelerlaubnisse erteilen, wenn sie sicherstellen, dass Angler ohne Angelschein von den Betreibern selbst oder Inhabern eines Angelscheins beaufsichtigt und in Grundkenntnisse des fischgerechten Angelns eingeführt werden. Ein Merkblatt dazu steht im Internet hier bereit. Eine Webseite mit weiteren Informationen zum Fischfang ohne Fischereischein im Freistaat Sachsen hat das dortige Landwirtschaftsministerium hier eingerichtet.

Eine Übersicht von Angelteichen in Sachsen findet sich beispielsweise hier (http://www.simfisch.de/forellenseen-in-sachsen/). Tageskarten für das Angeln ohne Angelschein sind in Sachsen oft schon für wenige Euro erhältlich, bei den bewirtschafteten Anlagen entfällt auch das Zahlen einer gesetzlichen Fischereiabgabe.

Zusammengefasst

  • hauptsächlich bewirtschaftete Gewässer
  • Tageskartenpreise

Angeln ohne Angelschein in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein bestehen gleich zwei Möglichkeiten, auch ohne den mit einer Prüfung verbundenen Angelschein zu Angeln. Zum einen gibt es wie in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen einen Touristenfischereischein. Dieser ist im Fall Schleswig-Holstein 28 aufeinanderfolgende Kalendertage gültig und kostet bei der Erstausstattung 20 Euro, in denen zehn Euro für die Fischereiabgabe bereits enthalten sind. Ausgegeben wird mit dem Urlauberfischereischein, wie der Touristenfischereischein in Schleswig-Holstein heißt, ein Merkblatt mit wichtigen Informationen zu Grundkenntnissen beim Angeln, Schonzeiten und Mindestmaßen. Dieses Merkblatt kann im Internet hier abgerufen werden. Der Touristenfischereischein in Schleswig-Holstein darf einmal im Jahr für zehn Euro um weitere 28 Tage Gültigkeit verlängert werden. Ausgegeben wird der Urlauberfischereischein von örtlichen Ordnungs-, Hafen- und Bürgerämtern sowie den Außenstellen der oberen Fischereibehörde. Im Internet kann der schleswig-holsteinische Touristenfischereischein hier bestellt werden.

Die zweite Option für das Angeln ohne Angelschein bieten Angelteiche oder Ausflüge mit Angelkuttern. Hier geht das Fischereigesetz von Schleswig-Holstein davon aus, dass die Bewirtschafter der Angelteiche, der Kutterkapitän oder deren Angestellten das fachgemäße Angeln beaufsichtigen. Nicht befreit ist man beim Angeln ohne Angelschein in Schleswig-Holstein an Angelteichen oder vom Angelkutter von der Pflicht zur Entrichtung der Fischereiabgabe. Die entsprechenden Fischereiabgabemarke, die für zehn Euro ein Jahr lang gilt, lässt sich häufig bequem vor Ort auf dem Boot oder am Angelteich kaufen. Eine Liste von Angelkuttern mit Liegeplatz in Schleswig-Holstein findet sich online etwa hier und eine von Angelteichen hier. Üblicherweise sind diese Angebote familienfreundlich gestaltet und halten auch Leihangeln bereit.

Zusammengefasst

  • Urlauberfischereischein, ähnlich wie der Touristenfischereischein
  • gilt 28 Tage, darf einmal im Jahr für 10€ weitere 28 Tage verlängert werden
  • Kosten: 20€
  • andere Option; Angeln an Angelteichen oder über Kutterausflüge: hier wird eine Fischereiabgabemarke für 10€ benötigt, die lebenslang gilt

Angeln ohne Angelschein in Thüringen

In Thüringen heißt der Touristenfischereischein, der das Angeln ohne Angelschein ermöglicht, Vierteljahresschein. Dieser kostet 19 Euro inklusive Fischereiabgabe und ist drei Monate lang gültig. Eine zusätzliche Angelerlaubnis ist notwendig. Alle Informationen zum Angeln ohne Angelschein in Thüringen mit dem Vierteljahresschein sind in unserer Angel-Wiki zusammengefasst.

Zusammengefasst

  • Kosten: 19€
  • Laufzeit: 3 Monate - keine Verlängerung möglich
  • kann einmal pro Kalenderjahr beantragt werden
  • ab 14 Jahre

Fazit: Angeln ohne Angelschein ist keine Ausnahme mehr

In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich eine ganze Reihe von deutschen Bundesländern entschieden, den Einstieg in den Angelsport zu vereinfachen. Touristen und Angelanfänger können mit etwas Vorausplanung sowohl an den Küsten als auch an Flüssen und Binnengewässern Angeln als Hobby ausprobieren, ohne mit Gesetzen in Konflikt zu kommen. Kritik an den zumeist recht neuen Regelungen kommt von Umweltschutz- und Tierschutzverbänden sowie teilweise auch Angelvereinen. Diese Interessengruppen befürchten, dass das Angeln ohne Angelschein das Tierwohl gefährdet, und pochen deshalb weiter auf eine Angelscheinpflicht. Wie man selbst zu dieser Diskussion steht, bleibt natürlich Privatsache - Ehrensache sollte aber in jedem Fall sein, die Bestimmungen zu Schonzeiten und Mindestmaßen einzuhalten, um das natürliche Gleichgewicht von Fischpopulationen nicht zu stören.

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